Sonntag, 7. Juni 2015

D-Day und die Abteien des Seinetals

Jedes Jahr am 6.6. ist in der Normandie D-Day.


Bei schlechtem Wetter oder wenn dir der Auftrag,ein Mensch von Bildung und Kultur zu sein, unter den Nägeln brennt,ist es angebracht ,nach dem Lotterleben in Paris ,Abbitte zu tun und du besuchst die Klöster des oberen Seinetals,von Rouen bis Le Havre.Da gibt es etwa 10 Abteien,deren Gründungen  zum Teil bis in die Merowinger-Zeit zurück zu datieren sind und die allesamt sehr spannende und ereignisreiche Geschichte hinter sich haben.Hunnen und Wikinger,die vorbeizogen haben damals schon das eine oder andere Mäuerchen zerstört und die Kirchen angesteckt.

Doch das einschneidendste Datum wird wohl für alle diese Klöster die Französische Revolution von 1789 gewesen sein,wo Revolutionsräte entschieden ,ob die Bauwerke als Steinbrüche für die Bautätigkeiten der Umgebung oder als Korn- oder Schießpulverlager für die Truppen der Revolution verwendet werden sollten.Die Zerstörungswut der aufgeklärten Menschen machte vor nichts halt und es blieben von den prächtigen und reichen Kichenbesitztümern nur mehr Ruinen übrig.Manche dieser Steinhaufen sind aber noch so imposant,dass man sich schon den Zorn der Revolutionäre vorstellen kann,deren Wohnsituationen bei weitem schlechter waren,als die der "bescheidenen"Mönche und die diese Pracht mit ihrer Arbeit und ihren Steuergeldern geschaffen hatten.


Kulturgüter zu zerstören ist kein Privileg des Islamischen Staates sondern es ist eine Tätigkeit,die eine lange Tradition hat und vielleicht ein Drang ,der in jedem Menschen steckt,der sich für aufgeklärter oder gottesfürchtiger hält,als seine Vorfahren oder Nachbarn oder Mitmenschen.Geschichte soll sich ja nicht immer wiederholen,tut es aber doch, denn gerade hier in Nordfrankreich kamen dann später noch die Deutschen als Zerstörer dazu und bei der Befreiung von denselben haben dann noch Amerikaner und Engländer ein paar Ruinen geschaffen.


Die Wunden des Krieges scheinen verheilt. Dieser Landstrich  ist heute von einer atemberaubenden Schönheit und man wünschte sich,dass es immer so friedlich bliebe,wie in diesen Tagen.Das Gedenken an den D-Day sollte über den Anlass der Invasion von 1944 hinweg auch in die Geschichte gehen und uns die Einsicht geben,dass Zerstörung und Hass letztendlich zu nichts führen wird, als zu Zerstörung und Hass.


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