Donnerstag, 29. Januar 2015

Ein Märchen zur Lage ( Märchenhaft 4 )

Tischlein deck dich,Goldesel streck dich,Knüppel aus dem Sack


Der Knüppel aus dem Sack,das kann heute nicht mehr die Metapher für stumpfe,physische Gewalt sein,sondern ich sehe das Bildnis eher so,dass der Knüppel für das bessere,letztlich entscheidende Argument steht,das man dem Kontrahenten entgegensetzen kann.Sei es philosophisch,politisch oder religiös,das bessere Argument muss ja nicht gleich den Gegner mundtot machen,aber es kann zu einem von beiden Seiten zu akzeptierenden Kompromiss führen und auf diesem Weg Frieden erzeugen.

  


Der dritte Bruder war zu einem Drechsler in die Lehre gegangen und weil es ein kunstreiches Handwerk ist,musste er am längsten lernen.Seine Brüder aber meldeten ihm in einem Brief,wie es ihnen ergangen war und wie sie der Wirt noch am letzten Abend um ihre schönen Wünschdinge gebracht hatte.Als der Drechsler nun ausgelernt hatte und wandern sollte,schenkte ihm sein Meister,weil er sich so wohl gehalten hatte,einen Sack und sagte:"Es liegt ein Knüppel drin.""Den Sack kann ich umhängen und er kann mir gute Dienste leisten,aber was soll der Knüppel darin?Der macht ihn doch nur schwer."sagte der Geselle."Das will ich dir sagen",antwortete der Meister,"hat dir jemand etwas zuleide getan,so sprich nur:"Knüppel aus dem Sack!",so springt der Knüppel heraus unter die Leute und tanzt ihnen so lustig auf dem Rücken herum,dass sie sich acht Tage lang nicht regen und bewegen können und eher läßt er nicht ab,als bis du sagst:"Knüppel in den Sack!" Der Geselle dankte ihm,hing den Sack um und wenn ihm jemand zu nahe kam und ihm auf den Leib wollte,so sprach er :"Knüppel aus dem Sack!"Alsbald sprang der Knüppel heraus und klopfte einem nach dem anderen Rock oder Wams gleich auf dem Rücken aus und wartete nicht erst,bis er ihn ausgezogen hatte und das ging so schnell,dass,ehe sich es einer versah,die Reihe schon an ihm war.


ARGUMENTE STATT KNÜPPEL!
KNÜPPEL ZU ARGUMENTEN(UMSCHMIEDEN)

Der junge Drechsler langte zur Abendzeit in dem Wirtshaus an,wo seine Brüder betrogen worden waren.Er legte seinen Ranzen auf den Tisch vor sich hin und fing an zu erzählen,was er alles Merkwürdige in der Welt gesehen habe."Ja;"sagte er ,"man findet wohl ein Tischleindeckdich,einen  sie hätte ,aber das ist alles nichts gegen den Schatz,den ich mir erworben habe und den ich in meinem Sack da mit mir führe."Da spitzte der Wirt die Ohren."Was in aller Welt mag das sein?"dachte er ,"Der Sack ist wohl mit lauter Edelsteinen angefüllt,den sollte ich mir wohl auch noch holen,denn aller guten Dinge sind doch drei."Als dann Schlafenszeit war streckte sich der Gast auf die Bank und legte sienen Sack als Kopfkissen unter.Als der Wirt meinte,dass der Gast schliefe,ging er herbei und versuchte den Sack unter dem Kopf des Schlafenden wegzuziehen und auszutauschen.Aber der Drechsler hatte auf diesen Augenblick gewartet und hatte nur so getan,als ob er schliefe.Als er merkte,dass der Wirt am Sack zog,rief er schnell:"Knüppel aus dem Sack!"Alsbald fuhr das Knüppelchen heraus ,ging dem Wirt auf den Leib und rieb ihm die Nähte,dass es eine Art hatte.Der Wirt schrie um Erbarmen,aber je lauter er schrie,desto kräftiger schlug der Knüppel den Takt dazu auf seinem Rücken,bis der Wirt endlich erschöpft zu Boden fiel.Da sprach der Drechsler zum Wirt:"Wenn du das Tischleindeckdich und den Goldesel nicht auf der Stelle herausgibst,damit ich sie meinen Brüdern wiedergeben kann,dann geht der Tanz des Knüppels auf deinem Rücken von vorne los.""Ja,ich will alles wieder hergeben!"jammerte der Wirt,"lass bitte nur diesen verwünschten Stock wieder in den Sack kriechen!"Schnell holte er das Tischlein herbei und den Goldesel und wurde so vor weiteren Schlägen verschont.


Der Geselle zog am anderen Morgen weiter ,beladen mit dem Tischlein und am Strick den Goldesel gelangte er schließlich zum Hause des Vaters.Der Vater freute sich,als er ihn sah und wie vorher die anderen Söhne,fragte er auch diesen:"Nun mein Sohn,was hast du denn in der Fremde gelernt?""Ich bin ein Drechsler geworden,lieber Vater.""Ein kunstreiches Handwerk,"sagte der Vater,"Hast du denn auch aus der Fremde etwas mitgebracht?""Ein kostbares Stück,guter Vater",antwortete der Sohn,"Ein Knüppel in einem Sack." - "Was? einen Knüppel?Das ist der Mühe nicht wert!Den kannst du dir doch von jedem Baum abschlagen."- "Aber einen solchen nicht,lieber Vater!Sage ich : Knüppel aus dem Sack!-so springt der Knüppel heraus und macht mit dem,der es nicht so gut mit mir meint einen schlimmen Tanz und lässt nicht eher nach,als bis er auf der Erde liegt und um gut Wetter bittet.Seht Ihr,mit diesem Knüppel habe ich das Tischleindeckdich und den Goldesel herbeigeschafft,die der diebische Wirt meinen Brüdern abgenommen hatte.Jetzt lasst sie beide rufen und ladet alle Freunde und Verwandten ein,ich will sie speisen und tränken und will ihnen die Taschen mit Gold füllen."Der alte Schneider wollte der Sache nicht so recht trauen,brachte aber die ganze Familie zusammen.Da deckte der Drechsler ein Tuch auf den Boden und führte den Goldesel herein und bat seinen Bruder,dass er zu dem Esel Bricklebrit! sagen solle.Da regnete es Goldstücke,dass der ganze Boden bedeckt war und alle ihre Taschen füllen konnten und danach musste das Tischleindeckdich seine Fähigkeiten beweisen und alle aßen und tranken und es war ein Fest,das die ganze Nacht hindurch dauerteAm nächsten Tag verschloss der Schneider seine Gerätschaften,denn er musste jetzt nicht mehr nähen und flicken.Mit seinen drei Söhnen lebte er fortan in Frieden, Freuden und Herrlichkeit.



                                                                       E N D E


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