Dienstag, 27. Januar 2015

Ein Märchen zur Lage ( Märchenhaft 2 )

Tischlein deck dich,Goldesel streck dich,Knüppel aus dem Sack.



Teil 2 : Für alle wäre genug zu essen da!Wenn es nur gerecht verteilt werden würde!

Der Schneider,als er so ganz einsam in seinem Hause saß,verfiel in große Traurigkeit und hätte seine Söhne gern wieder gehabt,aber niemand wußte,wo sie hingeraten waren.
Der Älteste war zu einem Schreiner in die Lehre gegangen,da lernte er fleißig und unverdrossen und als seine Lehrzeit um war,dass er wandern sollte,schenkte der Meister ihm ein Tischlein.Das hatte gar kein besonderes Ansehen und war von gewöhnlichem Holz,aber es hatte eine gute Eigenschaft.Wenn man es hinstellte und sprach:"Tischlein deck dich!",so war das gute Tischchen auf einmal mit einem sauberen Tüchlein gedeckt und es standen da Teller,Messer und Gabeln,daneben Schüsseln mit Gesottenem und Gebratenem,so viel wie auf dem Tisch Platz war und ein großes Glas mit rotem Wein leuchtete,dass einem das Herz lachte.Der junge Gesell dachte:"Damit hast du genug für dein Lebtag",zog guter Dinge in der Welt umher und bekümmerte sich nie darum,ob ein Wirtshaus gut oder schlecht war und ob etwas darin zu finden war oder nicht.Wenn es ihm gefiel,so kehrte er gar nicht ein,sondern im Felde,im Wald,auf einer Wiese,wo er Lust hatte,nahm er sein Tischlein vom Rücken,sellte es vor sich und sprach:"Tischlein deck dich!"und sogleich war alles da,was sein Herz begehrte.Schließlich kam es ihm in den Sinn,er wolle zu seinem Vater zurückkehren,dessen Zorn sich wohl inzwischen gelegt haben würde.Mit dem "Tischleindeckdich" würde der Vater ihn wohl gerne wieder aufnehmen.

Nun geschah es,dass er auf dem Heimweg abends in ein Wirtshaus kam,das mit Gästen angefüllt war.Die sagten,er solle mit ihnen essen,sonst würde er in der Wirtschaft wohl kaum noch etwas bekommen."Nein",antwortete der Schreiner,"die paar Bissen will ich euch nicht vom Munde wegnehmen,lieber sollt ihr meine Gäste sein."Die anderen Gäste lachten und meinten,er triebe seinen Spaß mit ihnen.Er aber stellte sein hölzernes Tischchen mitten in die Stube und sprach:"Tischlein deck dich!"Augenblicklich war es mit Speisen besetzt,so gut,wie sie der  Wirt nicht hätte herbeischaffen können und wovon der Geruch den Gästen lieblich in die Nase stieg."Zugegriffen,liebe Freunde",sprach der Schreiner und die Gäste,als sie sahen,wie es gemeint war,ließen sich nicht zweimal bitten,rückten heran,zogen ihre Messer und griffen tapfer zu.Was sie am Meisten verwunderte:Wenn eine Schüssel leer geworden war,stellte sich wie von selbst eine volle an ihren Platz.
DerWirt stand in einer Ecke und sah den Dingen zu.Er wußte gar nicht,was er dazu sagen sollte,dachte sich aber:"Einen solchen Koch könntest du in deiner Wirtschaft wohl gebrauchen."Der Schreiner und seine Gesellschaft waren lustig bis in die späte Nacht.Endlich legten sie sich schlafen und der junge Geselle ging auch zu Bett und stellte sein Wünschtischchen an die Wand.Dem Wirt aber ließen seine Gedanken keineRuhe.  Es fiel ihm ein,dass in seiner Rumpelkammer ein altes Tischchen stünde,das gerade so aussähe,wie das des Gesellen.Das holte er ganz sachte herbei und vertauschte es mit dem Wünschtischchen.

Am anderen Morgen zahlte der Geselle sein Schlafgeld,packte das Tischchen auf und dachte gar nicht daran,dass er ein falsches hätte und ging seiner Wege.Gegen Mittag kam er bei seinem Vater an,der ihn mir großer Freude empfing."Nun,mein lieber Sohn,was hast du gelernt?"sagte er zu ihm."Vater,ich bin Schreiner geworden"- "Ein gutes Handwerk"erwiederte der Alte"aber,was hast du von deiner Wanderschaft mitgebracht?" - Vater,das Beste,was ich mitgebracht habe,ist dieses Tischchen."Der Vater betrachtete das Tischchen von allen Seiten und sagte."Daran hast du kein Meisterstück gemacht,das ist ja nur ein altes und schlechtes Tischchen,"- "Aber es ist ein Tischleindeckdich",antwortete der Sohn,"Wenn ich es hinstelle und sage,es solle sich decken,so stehen gleich die schönsten Gerichte darauf und ein Wein ist dabei,dass sich das Herz erfreut.Lade nur alle Freunde und Verwandten ein,die sollen sich einmal laben und erquicken,denn das Tischchen macht sie alle satt."Als die Gesellschaft beisammen war stellte er das Tischchen mitten in die Stube und sprach."Tischlein deck dich!"Aber das Tischlein regte sich nicht und blieb so leer,wie ein anderer Tisch,der die Sprache nicht versteht.Da merkte der arme Geselle,dass ihm das Tischchen vertauscht worden war und er schämte sich,dass er wie ein Lügner da stand.Die Verwandten lachten ihn aus und mussten ungespeist und ungetrunken wieder heim wandern.Der Vater holte seine Lappen wieder herbei und schneiderte fort.Der Sohn aber ging bei einem Meister in die Arbeit.


EIN TISCHLEIN,DAS DIE SPRACHE NICHT VERSTEHT


Die Metapher "Tischleindeckdich" ist ein Sinnbild für die Welt in ihrem Überfluss.  Es wäre immer von allem Essen genug da,man müsste es nur gerecht verteilen.Leider gibt es aber immer "Player",wie den Wirt im Märchen,die den schönen Traum zunichte machen.


(Das Märchen ist noch nicht zu Ende!)







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