Interview mit Peter Sloterdijk
Süddeutsche Zeitung Magazin vom7.November 2014
Gott-oder Göttin oder Sonstwem sei dank,gibt es immer wieder Menschen,die uns erklären wollen,warum die Erde sich dreht und was wir Menschentiere auf ihr zu suchen und auszurichten hätten.Mein Lieblingsphilosoph ist der Peter Sloterdijk.Der ist so herrlich größenwahnsinnig und hat so eine wunderbare Affinität zum Unverstehbaren,dass es mir die Tränen der Freude in die Augen treibt.Zum Glück wird er von einem Menschen befragt,der sich nicht nur gut vorbereitet hat sondern auch noch ein paar eigene Ideen zustande bringt.Um dem Interessierten die Sache schmackhaft zu machen,hier zwei kleine Auszüge,völlig aus dem Zusammenhang gerissen:
1. Interviewer:"Das Schlusskapitel Ihres jüngsten Buches - Die schrecklichenKinder der Neuzeit - beginnt mit dem Satz:" Mit der sich selbst erfüllenden Prognose der rhizomantischen >Gesellschaft<in der anarchisch-wahrsagerischen Para-Psychatrie des Poststrukturalismus ist die anti-genealogische Basistendenz der Neuzeit-als Summe aller Subversionen,Reklamationen, Verweigerungen, Usurpationen, Aspirationen und Hybridisierungen-in ihr Mündungsgebiet gelangt."Ist Philosophie vielleicht doch die Übertragung des Unsagbaren ins Unverständliche?"
Philosoph Peter:"Das könnte man gelegentlich so sehen.Der Satz scheint eine Zumutung zu sein,doch soll er genau so klingen,wie er klingt,jede Silbe steht an der richtigen Stelle.Mir gefällt er,vielleicht auch nur,weil ich noch ungefähr weiß,was ich sagen wollte....(großartig!!!)
2. ...."Gemäß Neuem Testament muss doch irgendwann mal über mir eine Taube erscheinen und eine Stimme vom Himmel ertönen:"Dies ist mein Sohn,an dem ich ein Wohlgefallen habe."Hätte ich je so eine Stimme gehört,wäre ich wahrscheinlich ruhiger geworden.So aber lebe ich unter den Augen eines großen Anderen,den ich mit nichts von allem, was ich tue ,überzeugen kann." ... dazu muss man wissen,dass Sloterdijk vaterlos aufgewachsen ist... (Vielleicht findet das ja außer mir keiner witzig)
Ich hoffe,dass ich mit diesen Zitaten niemanden abgeschreckt habe,das ganze Gespräch zu lesen und wünsche viel Spaß dabei.
Ausserdem fährt Sloterdijk hin und wieder mit seinem Tourenrad 130 Kilometer am Tag und sagt dazu:"Ich fahre mir davon in der Hoffnung,als jemand zurückzukehren,der nicht identisch ist mit dem,der weggefahren war,Die Utopie beim Radfahren ist,dass man irgendwann schneller ist,als die schädlichen Gedanken,die die freie Kapazität der Großhirnrinde in Beschlag nehmen.Meine Erfahrung sagt mir,dass man nach reichlich einer Stunde an die Grenze kommt,wo der parameditative Zustand eintritt.Man fährt dann seinem alten Adam ein paar Meter davon.Ich behaupte,der heimkehrende Radfahrer ist ein besserer Mensch.Jedenfalls ähnelt er weniger dem Neurotiker,der sich auf den Sattel geschwungen hat."Das ist eine gemeinsame Erfahrung,die mich mit diesem "Scharlatan" verbindet. Wer will,der lese dazu meinen Blog : www.jue-mue.blogspot.com
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