Neulich las ich in einem Zeitungsbericht,dass diejenigen,die sich an der Eisenbahn begeistern können immer älter werden und dieser Menschenschlag in einigen Jahren sogar ganz ausgestorben sein wird. Ich denke,dieser Bericht betraf hauptsächlich die Freunde der elektrischen Modelleisenbahn,denn als ich neulich in Binz,auf der Insel Rügen ein paar Tage verbrachte konnte ich feststellen,dass es doch eine große Anzahl von Menschen gab,jung und alt,die mit großer Freude und Begeisterung Fahrgäste des "Rasenden Rolands" waren,einer nostalgischen "Schmalspur-Eisenbahngesellschaft", die mit dampfbetriebenen Lokomotiven einige Dörfer und Gemeinden im Südosten der Insel verbindet.Von Putbus über Binz nach Göhren führt der Schienenstrang,etwa 30 km durch die Wälder und Felder Rügens.Da mitzufahren ist ein Erlebnis der besonderen Art,weil es an das Reisen erinnert,wie ich es noch aus der Zeit von vor 50 Jahren kenne.Rumpelnde Wagen,rappelnde Weichen und rauchgesättigte Luft im Abteil,auch bei geschlossenem Fenster.Heute fällt mir dann zufällig ein kleines Gedicht des Arbeiterdichters Gerrit Engelke(1890-1918) auf,das ich unbedingt an alle Freaks der Dampfmaschine weitergeben möchte.Wer dichtet denn heute noch sowas?
Das ist doch Impressionismus vom Allerfeinsten-oder...?
Da liegt das zwanzigmeterlange Tier,
die Dampfmaschine
auf blankgeschliffner Schiene
voll heißer Wut und sprungbereiter Gier-
da lauert,liegt das langgestreckte Eisenbiest-
Sieh da:wie Öl- und Wasserschweiß,
wie Lebensblut gefährlich heiß,
ihm aus den Radgestängen:den offnen Weichen fließt.
Es lieg auf sechzehn roten Räderpranken,
wie fiebernd,langgeduckt zum Sprunge
und Fieberdampf stößt röchelnd aus den Flanken.
Es kocht und kocht die Röhrenlunge
den ganzen Rumpf die Feuerkraft durchzittert,
er ächzt und siedet,zischt und hackt
in heftigem Dampf- und Eisentakt-
ein Menschenwort wie nichts im Qualm zerflittert.
Das Schnauben wächst und wächst-
du stummer Mensch erschreckst-
du siehst die Wut aus allen Ritzen gären-
der Kesselröhren-Atemdampf
ist hochgewühlt auf sechzehn Atmosphären:
Gewalt hat jetzt der heiße Krampf:
Das Biest,es brüllt,das Biest,es brüllt,
der Führer ist in Dampf gehüllt-
der Regulatorhebel steigt nach links:
der Eisen-Stier harrt dieses Winks!
Nun rafft vom Rauchrohr Kraftgeschnauf:
Nun springt es auf!Nun springt es auf!
Doch:
Ruhig gleiten und kreisen auf endloser Schiene
die treibenden Räder hinaus auf dem blänkernden Band,
gemessen und massig die kraftangefüllte Maschine,
der schleppende,stampfende Rumpf hinterher-
dahinter-eindunkler-verschwimmender Punkt-
darüber-zerflatternder Qualm-
...und ab gehts nach Binz!Tschutschutschu..iiiiiiihiii!







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